Donnerstag, 8. März 2012

Messerattacke

Als er mir das scharfe Messer an die Gurgel hielt,war ich mir gar nicht mehr so sicher,ob es eine gute Idee war,hier in Gelibolu zum Friseur zu gehen.
Nachdem sich meine kleinste Enkelin von mir abgewendet hatte mit den Worten(wenn es denn schon welche waren)"böser Mann",beschloss ich, nach langer Zeit mal wieder,einen Figaro aufzusuchen.
Der Laden war leer und der Friseur saß auf einem Behandlungsstuhl.Als ich hereinkam war uns beiden klar,was ich wollte.Ich wollte die Haare und den Bart überall etwas kürzer und ich zeigte ihm auch,um wieviel.Er hatte mich gut verstanden und holte auch gleich seinen Abstandhalter für die Schneidemaschine.Er erklärte mir,das der nur eine bestimmte Länge der Haare zurücklässt.Heftiges Kopfnicken beiderseits,uns los gings.Auf einem Stuhl,der mich an alte Zahnarztzeiten erinnerte,mit Pumpe und Kopfstütze ,durfte ich Platz nehmen,bekam sofort ein Kräuselkreppapier um den Hals und einen rosa Umhang umgehängt.Der Meister zog sich noch einen Arbeitskittel an,auf dem Koiför Aladin draufstand und dann ging es los.Er schob meinen Kopf nach hinten in die Stütze,um an meinem Kinn zu arbeiten.dann drückte er meinen Schädel nach vorn,um die Haare des Hinterkopfes zu kürzen,presste dann alles nach links um rechts die Schläfe und die Seite zu bearbeiten und dann das Ganze nochmal auf der anderen Seite.So,das war jetzt erstmal der Grobschnitt,denn jetzt fing er an mit einer feinen,spitzen Schere zu klappern und nahm sich jedes Haar noch mal einzeln vor,selbst oben,wo der Bestand doch schon recht licht ist,hielt er sich ziemlich lange auf,um alles nach den Regeln der Kunst zu erledigen . Gedanklich war ich schon wieder auf der Strasse,doch jetzt legte sich der Meister erst richtig ins Zeug.Mit einer kleinen Maschine kappte er die aus der Nase herausstehenden Haare,polierte mein Ohrläppchen und entfernte die Haare im Ohr und ging überall nochmal die Ränder nach.Dann schaute er nochmal ganz aufmerksam im Spiegel,ob alles schön symmetrisch war und korrigierte nochmal die Haarlänge am Mundwinkel.Während des Feinschitts pustete er mir unaufhörlich über den Kopf und um den Hals um die feinen Haarreste zu entfernen.Er hatte kein Knoblauch gegessen!Schließlich nahm er mit Schwung den rosa Mantel weg und riss das Papier vom Hals.So,fertig-dachte ich,aber weit gefehlt.Er wickelte ein großes weißes Handtuch um meinen Hals.Dann schlug er mit einem großen Rasierpinsel Schaum in einem Becken und pinselte mir den Nacken und die Gurgel mit Seifenschaum ein.Jetzt kam dann der Schreckensmoment.Er nahm sein Rasiermesser (so eins von Früher),wetzte es auf einem Gürtel(o.ä.),besprühte es mit einem Desinfektionsspray und setzte es mir an den Hals.Als er in meine angsterfüllen Augen blickte deutete er mir an,das es nur ein gaaaanz kleiner Moment sei und das ich es kaum spüren würde.Und so war´s dann auch.Als ich wieder erwachte massierte er meinen Hals mit einem Zitronenwasser und rieb dann noch eine Kreme drauf.So-fertig-zahlen-gehen!Gemach,immer schön langsam ,jetzt trinken wir erst noch ein Gläschen Tee zusammen nach dem Schreck.Er ging zur Ladentüre und ruft irgendwas ins Nachbargeschäft.Sogleich kommt ein Junge mit einem Schwenktablett und bringt zwei Gläser mit Tee und Zucker.Wir sitzen da,jeder auf seine Art fertig und versuchen uns noch ein wenig inTaubstummensprache.Dann darf ich 13 TL bezahlen und gebe gerne noch ein Trinkgeld.Uff!Nochmal Glück gehabt!!
Bilder sind Eindrücke von Gelibolu.

2 Kommentare:

  1. Wann kommt das Bild von Deiner Messeraffäre mit Aladin ins Netz?
    Dein Text ist ja aber eigentlich plastischer als jedes Konterfei, demnach bedarf es eigentlich keiner Bilder, aber?? Schön wärs.

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    1. "Dein Text ist ja aber eigentlich plastischer als jedes Konterfei, demnach bedarf es eigentlich keiner Bilder"
      Dem ist nichts hinzuzufügen.

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