Donnerstag, 29. März 2012

Batumi-Tiflis

Batumi ist als Seebad und Hafenstadt seinerzeit sicherlich eine Schönheit gewesen.Es gibt viele Gebäude aus der "Gründerzeit",während der man hier zur Zeit des Zaren, im Gegensatz zum Resteuropa, nochmal einen draufgesetzt hat an Stuck und Pomp. Hier kann man sehen mit welchem Aufwand und welchem Elan zu Werke gegangen werden muß,um die Beschädigungen,die durch Unachtsamkeit,mangelnde Pflege der Gebäude und funktionellen Missbrauch im Laufe der Zeit entstanden sind,zu beheben.Manchmal ist es leider unumgänglich,das ein auch noch so schönes Gebäude abgerissen werden muß,wenn die Restaurierung zu aufwändig wird.Dann wird einfach ein Betonklotz gegossen an den dann ein paar Jugedstilelemente angeklebt werden und schon passt es.An den Gebäuden aber,an denen die Schäden reparabel sind,geht man hier jedoch sehr sorgfältig zu Werke und schafft richtige Schmuckstücke.Wie in Batumi,so auch in der Hauptstadt Tblisi. Hier ist seit mehreren Jahrhunderten nichts zerstört worden und wenn Beschädigungen an den Gebäuden entstanden sind,dann entweder durch Erdbeben oder Kommunismus.Wobei es schwer ist,herauszufinden,welche Zerstörungskraft die Größere war. Nach der Befreiung haben auch georgische Panzer und Raketen ein wenig an der Substanz gerüttelt.So ist ein Sanierungsfall entstanden,der sicherlich ein wunderschönes Ensemble schaffen könnte,aber so teuer und schwierig sein wird,das das Land Georgien noch Jahre brauchen wird,bis man Erfolge sieht.
Ich bin gestern in die Hauptstadt Georgiens mit einem Minibus gekommen.Der Fahrer hat meine Gespannteile mit einem Bindfaden auf dem Dachgepäckträger festgeknotet und war eigentlich ganz zuversichtlich,das sie auch die etwa 400 km da oben bleiben würden, obwohl ich da so meine Zweifel hatte. Meine Zweifel verstärkten sich noch einmal,als sich meine Mitfahrerin auf dem Nebenplatz, im Moment,wo der Fahrer den ersten Gang einlegte, heftig- und das mehr als drei Mal bekreuzigte.(was sie dann allerdings während der Fahrt jedesmal tat,wenn es an einer Kirche ,einem Krankenhaus und an einem Friedhof vorbei ging).Dimitri ist aber ein alter Hase,ein sehr erfahrener Minibusdompteur,der von der Eintagsfliege bis zum Elefanten schon alles Getier an seiner Windschutzscheibe hat kleben sehen.So bewegte er mit einigermaßen kalkuliertem Risiko sein Gefährt über die schlaglochübersäten Straßen des Landes.Er wußte immer genau,wo die Polizei Radarkontrolle machte,wo er am günstigsten über die zur Langsamkeit zwingenden Schwellen auf der Straße möglichst schnell fahren konnte und kannte alle Stellen,an denen es nicht ratsam war, in dritter Reihe nebeneinander zu überholen .Als wir schließlich in Tiflis ankamen wollte Sofia,meine Nachbarin,gar nicht mit dem Bekreuzigen aufhören und umarmte mich zum Schluß dankbar,weil ich sie ab und zu schon mal etwas beruhigt habe.
Sie half mir dann noch,das ich mein ganzes Gepäck und mein Fahrrad bei der Gepäckaufbewahrung am Busbahnhof unterstellen konnte und dann holte ihr Onkel sie ab und ich verschwand im tiefsten U-bahnschacht,den ich jemals gesehen habe, um in die Innenstadt zu gelangen,wo ich ein Hotel zu finden hoffte.

2 Kommentare:

  1. Der Unterkunftfindenabsatz ist bei mir nicht da, oder folgt da noch ein Sahnehäubchen?? Toller Bericht. Danke.

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  2. Warst Du oder gehst Du mal auf diesen Hügel mit dem Fernsehturm und dem Riesenrad? Muss von da oben 'ne tolle Aussicht auf die Stadt sein - wenn's nicht gerade wieder schneit.

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