Dienstag, 24. Juli 2012

Like a rolling stone

Wahrscheinlich kuckt wieder kein Schwein aber wenn,
dann schau doch mal bei www.joebirdie.blogspot.com mal rein.

A rolling stone gathers no moss.
Mein Gedanke auf große Tour zu gehen hatte seinen Ursprung in diesem alten lateinischen Sprichwort,welches dem alten Publius Syrus in die Schuhe geschoben wird,der dereinst gesagt haben soll:Saxum volutum non obducitur musco.(Bildung schadet nicht!Ich helfe gerne!)
Die Interpretationen dieses Sprichwortes sind vielfältig und für mich sollte es den Sinn haben,das wenn ich in Bewegung bleibe,ich nicht irgendwo räumlich und gedanklich festwachse und Wurzeln schlage.
So wollte ich dann die Welt bereisen und fremde Länder,Kulturen und Menschen kennen lernen.
Vielleicht war mein Wunsch,das alles jetzt und sofort zu erledigen ,zu ehrgeizig und unüberlegt.Ich komme mir inzwischen so vor,wie ein weltreisender Japaner,der in den vierzehn Tagen seines Lebensurlaubes schnell alles erleben und erfahren möchte und habe doch vielleicht noch ein paar Jahre Zeit,um mich in der Welt umzuschauen.
Deswegen bin ich auch nicht allzu enttäuscht das meine Reise nicht ,wie geplant bzw. gewünscht verlaufen ist.Ich blicke zurück auf ein paar Monate intensiven Erlebens,auf eine Zeit die mir sehr viel abverlangt hat und in der ich sicherlich kein Moos angesetzt habe.Ich erinnere mich sehr gerne immer wieder an die netten,hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen,denen ich begegnet bin und bin der Überzeugung,von ihnen viel Positives erfahren zu haben.
Ich halte mich jetzt schon seit ein paar Wochen in Shanghai bei meiner Tochter Anne und ihrer Familie auf und habe auch hier keine Zeit gehabt ,viel Moos anzusetzen.Zuerst mußte ich mal wieder gesund werden,denn ich hatte mir eine ziemlich hartnäckige Magen-Darmerkrankung irgendwo in Usbekistan aufgeschnappt,die ich mit chinesischer Wundermedizin innerhalb von zehn Tagen wieder wegbekam.Allerdings hatte ich zwischendurch noch alle Familienmitglieder angesteckt und wir hatten zeitweise lazarettähnliche Zustände hier in der kleinen Wohnung.Dann,als ich mich wieder einigermaßen sicher von der Wohnung mit ihren guten sanitären Einrichtungen entfernen konnte,habe ich in der Pandaschule einen Chinesischkurs belegt und seit der letzten Woche bemühe ich mich redlich,chinesische Kaligraphie zu lernen. Meine Wege in Shanghai lege ich mit dem Fahrrad und zu Fuß zurück und habe dadurch natürlich jede Menge Bewegung.In den letzten drei Tagen bin ich dabei, mein Fluggepäck auf die vorgeschriebenen Gewichte zu trimmen und mußte dabei feststellen,das ich doch erstaunlich viel Zeug bis hierher mitgebracht habe,obwohl ich schon unterwegs zwei Pakete mit überflüssigem Material nach Hause geschickt hatte.Zum Glück kommt meine Enkelin Sonja,die auch in Shanghai wohnt,im August nach München und kann mir ein paar Sachen in ihrem Koffer nachtragen.Ich werde dann morgen mit KLM nach Amsterdam fliegen,wo mich mein Sohn Steffen erwartet,um mir seinen Sohn Wilhelm vorzustellen,der vor zwei Wochen geboren wurde.Dann werde ich am 30.Juli wieder zum Moosansetzen nach
Hause fahren und mich ins Wildmoosstüberl setzen und ein oder zwei Weißbiere trinken und ich hoffe das ich das in der Gesellschaft von ein paar bemoosten Freunden tun kann.
Die Bilder, sind Eindrücke von der Stadt Shanghai und ein paar Leute,die ich da getroffen habe.Auf dem Bild von mir sieht man schon wieder eine leichte Moosschicht,die sich immer dann bildet,wenn zu wenig passiert.
Allen,die es bis hierhin ausgehalten haben,meinenAusführungen zu folgen drücke ich hiermit meine besondere Hochachtung für ihre Geduld aus.Ich würde mich freuen,wenn der eine oder die andere mir per e-Mail mal eine Rückmeldung geben würde,wie der Blog gefallen hat.Ich bin da ein ziemlicher Neuling und möchte Erfahrungen sammeln.Das ist am besten möglich,wenn man Rückmeldungen und Kritik von seinen Lesern bekommt.Deswegen hier meine e-mailad: jw-hbmueller@t-online.de
Shanghai am 24.7.2012

Donnerstag, 19. Juli 2012

Shanghai Fünf

Kleine Gebrauchsanweisung für China


Teil drei:Lokaltermin

Essen gehen in China ist nicht so einfach, wie man glauben möchte.Der unerfahrene Chinareisende sagt sich vielleicht:Geh doch einfach zum Chinesen.Das ist ja im Prinzip richtig,doch ein chinesischer Führer macht aus dieser schlichten Sache sogleich ein Problem.Er fragt den hungrigen Touristen:Wo sollen wir denn hingehen?Willst du nordchinesisch, westchinesisch,
südchinesisch oder ostchinesisch essen?
Angenommen man entscheidet sich für ostchinesisches Essen,dann folgt die Frage:Möchtest du denn lieber die etwas süßliche Küche Shanghais probieren, oder lieber die herbere Shandongküche,oder die liebliche Hangzhou-,die salzige Souzhou,oder die wässrige aber wohlriechende Nanjingküche?
Angenommen,man entscheidet sich für die Küche Shanghais so folgt die Frage:Puxi oder Pudong ?
Fällt die Wahl auf Pudong ,so gäbe es da noch die Küche von Jinqiao,...usw. Diese Fragerei läßt einen dann doch ziemlich hilflos zurück,denn sind das nicht alles doch nur einfach Chinarestaurants ?Natürlich nicht,denn für den Kenner hat fast jede Straßenkreuzung im Lande ihre eigene ,sehr typische Küche.
In zwei Wochen Urlaub zum Kenner werden? - unmöglich! Deswegen ist mein Vorschlag der des Unerfahrenen:geh einfach rein zum erstbesten Chinesen,wenn du Hunger hast.Die meisten Gäste sind sicherlich hier lebend rausgekommen,sonst wäre der Laden längst zugemacht worden, denn in China gibt es auch so etwas wie ein Gewerbeaufsichttsamt.In den meisten Lokalen auf dem Touristenpfad gibt es bebilderte Speisekarten. Manchmal gibt es sogar Vitrinen, in denen die Gerichte in Plastik und Silikon auf einem Teller modelliert sind .Oft kann man auch noch einen gegoogelten Begleittext dazu lesen, der einen auch nicht schlauer macht,denn Hund, Katze und Schlange werden hier nicht beim Namen genannt und die Bilder und Skulpturen sehen meist sehr appetitlich aus.Bestell einfach das Essen,das dir optisch am meisten zusagt und warte ab,was kommt.Wenn du Glück hast, sieht das Essen in Wirklichkeit besser aus als auf dem Foto aber bitte nicht zu genau hinschauen!Es könnte sein,das die Pommes ,die du bestellt hast ,Augen haben und vielleicht kleine frittierte
Raupen sind.Gieß am besten gleich Sojasoße oder Ketchup drüber und iss,solange das Essen heiß ist,denn solange du nicht weißt,das es Raupen sind schmecken die Teile wirklich wie Pommes und der Hunger ist gestillt.
Am Einfachsten ist es man geht in Lokale,in denen es nur ein einziges Gericht gibt wie z.B.in eine Jiaozi Bude.Jiaozi sind kleine Teigtaschen, die mit verschiedenen Köstlichkeiten gefüllt sind wie mit Gemüse, Schweinefleisch oder Krabben.Hier sollte man nur die chinesischen Zahlen einigermaßen richtig sagen können,denn wenn das erst mal in die Kasse eingetippt ist gibt es kein zurück.Da kann es schon mal passieren,das eine Person fünfzig Teigtaschen aufgedrückt bekommt obwohl sie nur fünfzehn bestellen wollte.Achtung bei Hand und Fingerzeichen.Daumen und Zeigefinger auszustrecken,um zwei Bier zu bestellen hat in China die Folge,das auf einmal acht Biere angeschleppt werden ,auch wenn es nur zwei Personen sind, die am Tisch sitzen.Chinesische Kellner kennen da keine Gnade. Das was bestellt wird, wird gebracht!Ohne Rücksicht darauf, ob das passt oder nicht.
Natürlich kann man in China auch zum Italiener,zum Franzosen oder zum Paulaner gehen und Pizza,Cordonbleu oder Weißwurst mit Semmelknödel bestellen.Doch will man Zuhause den Lieben etwas Exotisches erzählen ,vom Besuch im Reich der Mitte so sollte man schon sagen können:ich bin beim Chinesen gewesen!

Freitag, 13. Juli 2012

Shanghai vier

Kleine Gebrauchsanweisung für China

2.Lektion: Integration.

Durch Befragung:Haben sie schon mal einen deutschen Schäferhund gesehen?und wenn der so Befragte dann mit :Habe!Habe! antwortet ist das Thema Integration bei uns in Deutschland schon so gut wie erledigt und der so Befragte hat ab sofort Anspruch auf alle Zuwendung und Liebe,die wir Deutschen allem Fremden gegenüber aufzubringen im Stande sind.c
Ganz anders läuft das jedoch in China ab.
Gelbsucht allein genügt hier nicht um akzeptiert zu werden.Der chirurgische Eingriff,sich Schlitz- oder Mandelaugen herstellen zu lassen,wird in China eher als plumperAnbiederungsversuch betrachtet.Sprachprobleme werden hier bei Fremden vorausgesetzt und durch die Anwendung verschiedenster Dialekte noch liebevoll gefördert , so das eine Integration über die Sprache fast unerwünscht scheint.
Der einzig wahre Weg zur Integration könnte allenfalls über die chinesische Küche führen.Das ist aber nicht das Weichspülmaterial,das wir in Europa als chinesisches Essen vorgesetzt bekommen.Es gibt hier in China eine große Anzahl an unterschiedlichsten Regionalküchen,die sich in Geschmack und Würze stark unterscheiden.Erst wenn der integrationswillige Fremde sich den Gaumen mit Xinjiangküche verbrannt,mit Sezuanküche betäubt und mit Shanghaiküche karamellisiert hat,erst wenn er Schlange,Hund und Skorpione verspeist hat,erst wenn er fehlerfrei die Spezialitäten der Regionen herunterbeten kann und belegen kann,von allem probiert zu haben,wird man darüber nachdenken,ob er es wert ist,integriert zu werden.Dann steht der letzte,alles entscheidende Test bevor.Man setzt dem Integrationswilligen eine Schale mit Stinktofu(doufu)vor und beobachtet seine Reaktion.Rennt er oder sie gleich davon- klar,durchgefallen!Kann er sein soeben gegessenes Essen bei sich behalten- er hat sich sehr bemüht!Stellen sich beim Probanden nur die Nackenhaare auf-die Integration ist schon fast nur eine Formalität.Er kann sich schon mal registrieren lassen!Fangen jedoch die Augen des Fremden an ,zu leuchten,greift er beherzt zu den Stäbchen und verschlingt die ganze Portion unter lautem Grunzen und Schmatzen(wie das hier so üblich ist),dann wird er als Heuchler abgestempelt,hat sein Gesicht verloren und braucht sich nicht einzubilden jemals integriert geschweige denn registriert zu werden.
Resümee:Eigentlich wünscht der Chinese keine Integration von Fremden.Es genügt,wenn der Ausländer sich vorbehaltlos für die jahrtausende alte chinesische Kultur interessiert und staunend alles Chinesische bewundert. Dann ist er ein Pengyou(Freund) und das ist schon mehr als genug.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Shanghai drei

Die Zeit vergeht und ich komme kaum dazu,meinen Blog zu pflegen.Nicht,das ich so sehr beschäftigt wäre,aber s ist dermaßen heiß,das ich eher tagelang vor der Klimaanlage sitze ,als das ich mich in der Stadt herumtreibe und versuche irgendetwas Erzählbares zu erleben.Drei mal in der Woche gehe ich zum Chinesischunterricht und dann brauche ich auch immer noch etwas Zeit,um den Unterrichtsstoff vor und nachzubereiten.Wann also sollte ich Zeit haben ,um in ein Starbucks zu gehen!?Ja , heute.In Annes Wohnung war Stomausfall wegen Wartungs-arbeiten und da bin ich trotz Hitze mit dem Fahrrad nach Jinqiao gefahren,wo meine Enkeltochter Sonja wohnt. Vielleicht hat die ja die Klimaanlage an.Leider hatte ich nicht daran gedacht,mir vorher die genaue Anschrift geben zu lassen,weil ich dachte,das in einer bewachten Wohnanlage die Wächter die Einwohner kennen würden.Doch in dieser Anlage war das nicht der Fall und als ich bei Sonja anrufen wollte,um mich zu erkundigen, sagte mir mein Telefon,das kein Geld mehr auf der Karte sei.Also,Pech gehabt.Ich bin dann den ganzen Weg wieder zurück geradelt und habe mich dann mit einem Essen an meinem Lieblingsplatz,dem Seagull Hotel am Bund belohnt.Es gab gebratenen Reis mit Schinken und Pilzen und ein Körbchen mit Jiaozi und die Klimaanlage erzeugte eine annehmbare Temperatur.
Auf den Shanghaier Straßen Rad zu fahren ist ein ganz besonderes Vergnügen, wenn man lebensmüde ist.Wenn das wie in meinem Fall nicht zutrifft ist es eine Aufgabe,an die mit besonderer Vorsicht herangegangen werden muß. Es genügt bei weitem nicht,das man hinten und vorne Augen haben muß,man sollte auf jeden Fall auch noch die ungeschriebenen Gesetze des chinesischen Individualverkehrs kennen.Paragraf Nr.1 ist, das der Größere immer und auf jeden Fall alle Rechte hat. Paragraf Nr.2 ist das der Linksabbieger immer Vorfahrt hat,egal,ob die Ampel Rot oder Grün anzeigt. Doch irgendwo in diesem Gesetzestext muß auch stehen, das Fußgänger und Radfahrer auf jeden Fall zu jagen sind und das die schönsten Jagdreviere die Zebrastreifen sind ,die hier in China eigentlich nur als Straßendesign anzusehen sind,als vermeintliche Verschönerung des grauen Asphalts. Ich meine, wer es schafft, als Radfahrer oder Fußgänger hier lebendig heraus zu kommen, der schafft es
wohl auf der ganzen Welt.

Montag, 2. Juli 2012

Shanghai 2

Kleine Gebrauchsanweisung für China

1.Lektion:Gesichtsverlust

Das Gesicht zu verlieren ist für einen Chinesen oder eine Chinesin so mit das Schlimmste,was passieren kann.Wir Europäer und speziell wir Deutschen sind da nicht so empfindlich,denn bei uns ist es eher peinlich,den ganzen Kopf zu verlieren und da ist das mit dem Gesicht schon gleich mit dabei,also eher eine Nebensache.Da wir deswegen auf dem Gebiet Gesichtsverlust eher unempfindlich sind, verursachen wir durch unsere oft zu direkte Art und Weise,an die Dinge heranzugehen,Gesichtsverlust bei unseren chinesischen Geschäftspartnern,ohne uns dessen bewußt zu sein.Ziel dieser Belehrung soll es sein,es gar nicht zum Verlust eines Gesichtes kommen zu lassen,denn der Chinese lässt sich dann gar nicht gerne beim Suchen helfen,um es wieder zu finden.
Verlustvermeidung ist deswegen unser Bestreben und an einem schönen Beispiel wollen wir demonstrieren,wie das zu bewerkstelligen ist:
Wir befinden uns in einem Restaurant und haben ein Fleischgericht bestellt.Wir bemerken, das das Fleisch alt und zäh ist und mit altem Fett gebraten wurde.Wir rufen NICHT nach dem Geschäftsführer und sagen:Hallo,das war ja wohl nichts mit dem Fleisch,das war ja ungenießbar!SONDERN wir sagen: Herr Ober, dürften wir sie mal einen Moment bemühen? Wir haben da vor fünfzehn Minuten ein Fleischgericht bestellt.Sie müssen da ja einen ganz besonderen Koch haben,der in so kurzer Zeit ein so altes Essen herstellen kann.Wir würden diesen Künstler gerne kennen lernen und ihn nach seiner Vorgehensweise befragen.
So höflich befragt wird man uns den Hochgelobten gerne vorstellen und uns die Möglichkeit bieten,Küchenerfahrungen auszutauschen.
Unerfahrenen Ostasienreisenden sei noch eine Vorsichtsmaßnahme mit auf den Weg gegeben:oft kommt es zu Verwechslungen von chinesischen und japanischen Köchen.Am Besten immer erst fragen, denn die japanischen Köche reagieren auf Kritik sehr oft mit Harakiri oder bieten dem Kritiker gerne eine Portion ihres letzten Versuchs ,Kugelfisch zuzubereiten an,je nach Temprament.