Dienstag, 24. Juli 2012

Like a rolling stone

Wahrscheinlich kuckt wieder kein Schwein aber wenn,
dann schau doch mal bei www.joebirdie.blogspot.com mal rein.

A rolling stone gathers no moss.
Mein Gedanke auf große Tour zu gehen hatte seinen Ursprung in diesem alten lateinischen Sprichwort,welches dem alten Publius Syrus in die Schuhe geschoben wird,der dereinst gesagt haben soll:Saxum volutum non obducitur musco.(Bildung schadet nicht!Ich helfe gerne!)
Die Interpretationen dieses Sprichwortes sind vielfältig und für mich sollte es den Sinn haben,das wenn ich in Bewegung bleibe,ich nicht irgendwo räumlich und gedanklich festwachse und Wurzeln schlage.
So wollte ich dann die Welt bereisen und fremde Länder,Kulturen und Menschen kennen lernen.
Vielleicht war mein Wunsch,das alles jetzt und sofort zu erledigen ,zu ehrgeizig und unüberlegt.Ich komme mir inzwischen so vor,wie ein weltreisender Japaner,der in den vierzehn Tagen seines Lebensurlaubes schnell alles erleben und erfahren möchte und habe doch vielleicht noch ein paar Jahre Zeit,um mich in der Welt umzuschauen.
Deswegen bin ich auch nicht allzu enttäuscht das meine Reise nicht ,wie geplant bzw. gewünscht verlaufen ist.Ich blicke zurück auf ein paar Monate intensiven Erlebens,auf eine Zeit die mir sehr viel abverlangt hat und in der ich sicherlich kein Moos angesetzt habe.Ich erinnere mich sehr gerne immer wieder an die netten,hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen,denen ich begegnet bin und bin der Überzeugung,von ihnen viel Positives erfahren zu haben.
Ich halte mich jetzt schon seit ein paar Wochen in Shanghai bei meiner Tochter Anne und ihrer Familie auf und habe auch hier keine Zeit gehabt ,viel Moos anzusetzen.Zuerst mußte ich mal wieder gesund werden,denn ich hatte mir eine ziemlich hartnäckige Magen-Darmerkrankung irgendwo in Usbekistan aufgeschnappt,die ich mit chinesischer Wundermedizin innerhalb von zehn Tagen wieder wegbekam.Allerdings hatte ich zwischendurch noch alle Familienmitglieder angesteckt und wir hatten zeitweise lazarettähnliche Zustände hier in der kleinen Wohnung.Dann,als ich mich wieder einigermaßen sicher von der Wohnung mit ihren guten sanitären Einrichtungen entfernen konnte,habe ich in der Pandaschule einen Chinesischkurs belegt und seit der letzten Woche bemühe ich mich redlich,chinesische Kaligraphie zu lernen. Meine Wege in Shanghai lege ich mit dem Fahrrad und zu Fuß zurück und habe dadurch natürlich jede Menge Bewegung.In den letzten drei Tagen bin ich dabei, mein Fluggepäck auf die vorgeschriebenen Gewichte zu trimmen und mußte dabei feststellen,das ich doch erstaunlich viel Zeug bis hierher mitgebracht habe,obwohl ich schon unterwegs zwei Pakete mit überflüssigem Material nach Hause geschickt hatte.Zum Glück kommt meine Enkelin Sonja,die auch in Shanghai wohnt,im August nach München und kann mir ein paar Sachen in ihrem Koffer nachtragen.Ich werde dann morgen mit KLM nach Amsterdam fliegen,wo mich mein Sohn Steffen erwartet,um mir seinen Sohn Wilhelm vorzustellen,der vor zwei Wochen geboren wurde.Dann werde ich am 30.Juli wieder zum Moosansetzen nach
Hause fahren und mich ins Wildmoosstüberl setzen und ein oder zwei Weißbiere trinken und ich hoffe das ich das in der Gesellschaft von ein paar bemoosten Freunden tun kann.
Die Bilder, sind Eindrücke von der Stadt Shanghai und ein paar Leute,die ich da getroffen habe.Auf dem Bild von mir sieht man schon wieder eine leichte Moosschicht,die sich immer dann bildet,wenn zu wenig passiert.
Allen,die es bis hierhin ausgehalten haben,meinenAusführungen zu folgen drücke ich hiermit meine besondere Hochachtung für ihre Geduld aus.Ich würde mich freuen,wenn der eine oder die andere mir per e-Mail mal eine Rückmeldung geben würde,wie der Blog gefallen hat.Ich bin da ein ziemlicher Neuling und möchte Erfahrungen sammeln.Das ist am besten möglich,wenn man Rückmeldungen und Kritik von seinen Lesern bekommt.Deswegen hier meine e-mailad: jw-hbmueller@t-online.de
Shanghai am 24.7.2012

Donnerstag, 19. Juli 2012

Shanghai Fünf

Kleine Gebrauchsanweisung für China


Teil drei:Lokaltermin

Essen gehen in China ist nicht so einfach, wie man glauben möchte.Der unerfahrene Chinareisende sagt sich vielleicht:Geh doch einfach zum Chinesen.Das ist ja im Prinzip richtig,doch ein chinesischer Führer macht aus dieser schlichten Sache sogleich ein Problem.Er fragt den hungrigen Touristen:Wo sollen wir denn hingehen?Willst du nordchinesisch, westchinesisch,
südchinesisch oder ostchinesisch essen?
Angenommen man entscheidet sich für ostchinesisches Essen,dann folgt die Frage:Möchtest du denn lieber die etwas süßliche Küche Shanghais probieren, oder lieber die herbere Shandongküche,oder die liebliche Hangzhou-,die salzige Souzhou,oder die wässrige aber wohlriechende Nanjingküche?
Angenommen,man entscheidet sich für die Küche Shanghais so folgt die Frage:Puxi oder Pudong ?
Fällt die Wahl auf Pudong ,so gäbe es da noch die Küche von Jinqiao,...usw. Diese Fragerei läßt einen dann doch ziemlich hilflos zurück,denn sind das nicht alles doch nur einfach Chinarestaurants ?Natürlich nicht,denn für den Kenner hat fast jede Straßenkreuzung im Lande ihre eigene ,sehr typische Küche.
In zwei Wochen Urlaub zum Kenner werden? - unmöglich! Deswegen ist mein Vorschlag der des Unerfahrenen:geh einfach rein zum erstbesten Chinesen,wenn du Hunger hast.Die meisten Gäste sind sicherlich hier lebend rausgekommen,sonst wäre der Laden längst zugemacht worden, denn in China gibt es auch so etwas wie ein Gewerbeaufsichttsamt.In den meisten Lokalen auf dem Touristenpfad gibt es bebilderte Speisekarten. Manchmal gibt es sogar Vitrinen, in denen die Gerichte in Plastik und Silikon auf einem Teller modelliert sind .Oft kann man auch noch einen gegoogelten Begleittext dazu lesen, der einen auch nicht schlauer macht,denn Hund, Katze und Schlange werden hier nicht beim Namen genannt und die Bilder und Skulpturen sehen meist sehr appetitlich aus.Bestell einfach das Essen,das dir optisch am meisten zusagt und warte ab,was kommt.Wenn du Glück hast, sieht das Essen in Wirklichkeit besser aus als auf dem Foto aber bitte nicht zu genau hinschauen!Es könnte sein,das die Pommes ,die du bestellt hast ,Augen haben und vielleicht kleine frittierte
Raupen sind.Gieß am besten gleich Sojasoße oder Ketchup drüber und iss,solange das Essen heiß ist,denn solange du nicht weißt,das es Raupen sind schmecken die Teile wirklich wie Pommes und der Hunger ist gestillt.
Am Einfachsten ist es man geht in Lokale,in denen es nur ein einziges Gericht gibt wie z.B.in eine Jiaozi Bude.Jiaozi sind kleine Teigtaschen, die mit verschiedenen Köstlichkeiten gefüllt sind wie mit Gemüse, Schweinefleisch oder Krabben.Hier sollte man nur die chinesischen Zahlen einigermaßen richtig sagen können,denn wenn das erst mal in die Kasse eingetippt ist gibt es kein zurück.Da kann es schon mal passieren,das eine Person fünfzig Teigtaschen aufgedrückt bekommt obwohl sie nur fünfzehn bestellen wollte.Achtung bei Hand und Fingerzeichen.Daumen und Zeigefinger auszustrecken,um zwei Bier zu bestellen hat in China die Folge,das auf einmal acht Biere angeschleppt werden ,auch wenn es nur zwei Personen sind, die am Tisch sitzen.Chinesische Kellner kennen da keine Gnade. Das was bestellt wird, wird gebracht!Ohne Rücksicht darauf, ob das passt oder nicht.
Natürlich kann man in China auch zum Italiener,zum Franzosen oder zum Paulaner gehen und Pizza,Cordonbleu oder Weißwurst mit Semmelknödel bestellen.Doch will man Zuhause den Lieben etwas Exotisches erzählen ,vom Besuch im Reich der Mitte so sollte man schon sagen können:ich bin beim Chinesen gewesen!

Freitag, 13. Juli 2012

Shanghai vier

Kleine Gebrauchsanweisung für China

2.Lektion: Integration.

Durch Befragung:Haben sie schon mal einen deutschen Schäferhund gesehen?und wenn der so Befragte dann mit :Habe!Habe! antwortet ist das Thema Integration bei uns in Deutschland schon so gut wie erledigt und der so Befragte hat ab sofort Anspruch auf alle Zuwendung und Liebe,die wir Deutschen allem Fremden gegenüber aufzubringen im Stande sind.c
Ganz anders läuft das jedoch in China ab.
Gelbsucht allein genügt hier nicht um akzeptiert zu werden.Der chirurgische Eingriff,sich Schlitz- oder Mandelaugen herstellen zu lassen,wird in China eher als plumperAnbiederungsversuch betrachtet.Sprachprobleme werden hier bei Fremden vorausgesetzt und durch die Anwendung verschiedenster Dialekte noch liebevoll gefördert , so das eine Integration über die Sprache fast unerwünscht scheint.
Der einzig wahre Weg zur Integration könnte allenfalls über die chinesische Küche führen.Das ist aber nicht das Weichspülmaterial,das wir in Europa als chinesisches Essen vorgesetzt bekommen.Es gibt hier in China eine große Anzahl an unterschiedlichsten Regionalküchen,die sich in Geschmack und Würze stark unterscheiden.Erst wenn der integrationswillige Fremde sich den Gaumen mit Xinjiangküche verbrannt,mit Sezuanküche betäubt und mit Shanghaiküche karamellisiert hat,erst wenn er Schlange,Hund und Skorpione verspeist hat,erst wenn er fehlerfrei die Spezialitäten der Regionen herunterbeten kann und belegen kann,von allem probiert zu haben,wird man darüber nachdenken,ob er es wert ist,integriert zu werden.Dann steht der letzte,alles entscheidende Test bevor.Man setzt dem Integrationswilligen eine Schale mit Stinktofu(doufu)vor und beobachtet seine Reaktion.Rennt er oder sie gleich davon- klar,durchgefallen!Kann er sein soeben gegessenes Essen bei sich behalten- er hat sich sehr bemüht!Stellen sich beim Probanden nur die Nackenhaare auf-die Integration ist schon fast nur eine Formalität.Er kann sich schon mal registrieren lassen!Fangen jedoch die Augen des Fremden an ,zu leuchten,greift er beherzt zu den Stäbchen und verschlingt die ganze Portion unter lautem Grunzen und Schmatzen(wie das hier so üblich ist),dann wird er als Heuchler abgestempelt,hat sein Gesicht verloren und braucht sich nicht einzubilden jemals integriert geschweige denn registriert zu werden.
Resümee:Eigentlich wünscht der Chinese keine Integration von Fremden.Es genügt,wenn der Ausländer sich vorbehaltlos für die jahrtausende alte chinesische Kultur interessiert und staunend alles Chinesische bewundert. Dann ist er ein Pengyou(Freund) und das ist schon mehr als genug.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Shanghai drei

Die Zeit vergeht und ich komme kaum dazu,meinen Blog zu pflegen.Nicht,das ich so sehr beschäftigt wäre,aber s ist dermaßen heiß,das ich eher tagelang vor der Klimaanlage sitze ,als das ich mich in der Stadt herumtreibe und versuche irgendetwas Erzählbares zu erleben.Drei mal in der Woche gehe ich zum Chinesischunterricht und dann brauche ich auch immer noch etwas Zeit,um den Unterrichtsstoff vor und nachzubereiten.Wann also sollte ich Zeit haben ,um in ein Starbucks zu gehen!?Ja , heute.In Annes Wohnung war Stomausfall wegen Wartungs-arbeiten und da bin ich trotz Hitze mit dem Fahrrad nach Jinqiao gefahren,wo meine Enkeltochter Sonja wohnt. Vielleicht hat die ja die Klimaanlage an.Leider hatte ich nicht daran gedacht,mir vorher die genaue Anschrift geben zu lassen,weil ich dachte,das in einer bewachten Wohnanlage die Wächter die Einwohner kennen würden.Doch in dieser Anlage war das nicht der Fall und als ich bei Sonja anrufen wollte,um mich zu erkundigen, sagte mir mein Telefon,das kein Geld mehr auf der Karte sei.Also,Pech gehabt.Ich bin dann den ganzen Weg wieder zurück geradelt und habe mich dann mit einem Essen an meinem Lieblingsplatz,dem Seagull Hotel am Bund belohnt.Es gab gebratenen Reis mit Schinken und Pilzen und ein Körbchen mit Jiaozi und die Klimaanlage erzeugte eine annehmbare Temperatur.
Auf den Shanghaier Straßen Rad zu fahren ist ein ganz besonderes Vergnügen, wenn man lebensmüde ist.Wenn das wie in meinem Fall nicht zutrifft ist es eine Aufgabe,an die mit besonderer Vorsicht herangegangen werden muß. Es genügt bei weitem nicht,das man hinten und vorne Augen haben muß,man sollte auf jeden Fall auch noch die ungeschriebenen Gesetze des chinesischen Individualverkehrs kennen.Paragraf Nr.1 ist, das der Größere immer und auf jeden Fall alle Rechte hat. Paragraf Nr.2 ist das der Linksabbieger immer Vorfahrt hat,egal,ob die Ampel Rot oder Grün anzeigt. Doch irgendwo in diesem Gesetzestext muß auch stehen, das Fußgänger und Radfahrer auf jeden Fall zu jagen sind und das die schönsten Jagdreviere die Zebrastreifen sind ,die hier in China eigentlich nur als Straßendesign anzusehen sind,als vermeintliche Verschönerung des grauen Asphalts. Ich meine, wer es schafft, als Radfahrer oder Fußgänger hier lebendig heraus zu kommen, der schafft es
wohl auf der ganzen Welt.

Montag, 2. Juli 2012

Shanghai 2

Kleine Gebrauchsanweisung für China

1.Lektion:Gesichtsverlust

Das Gesicht zu verlieren ist für einen Chinesen oder eine Chinesin so mit das Schlimmste,was passieren kann.Wir Europäer und speziell wir Deutschen sind da nicht so empfindlich,denn bei uns ist es eher peinlich,den ganzen Kopf zu verlieren und da ist das mit dem Gesicht schon gleich mit dabei,also eher eine Nebensache.Da wir deswegen auf dem Gebiet Gesichtsverlust eher unempfindlich sind, verursachen wir durch unsere oft zu direkte Art und Weise,an die Dinge heranzugehen,Gesichtsverlust bei unseren chinesischen Geschäftspartnern,ohne uns dessen bewußt zu sein.Ziel dieser Belehrung soll es sein,es gar nicht zum Verlust eines Gesichtes kommen zu lassen,denn der Chinese lässt sich dann gar nicht gerne beim Suchen helfen,um es wieder zu finden.
Verlustvermeidung ist deswegen unser Bestreben und an einem schönen Beispiel wollen wir demonstrieren,wie das zu bewerkstelligen ist:
Wir befinden uns in einem Restaurant und haben ein Fleischgericht bestellt.Wir bemerken, das das Fleisch alt und zäh ist und mit altem Fett gebraten wurde.Wir rufen NICHT nach dem Geschäftsführer und sagen:Hallo,das war ja wohl nichts mit dem Fleisch,das war ja ungenießbar!SONDERN wir sagen: Herr Ober, dürften wir sie mal einen Moment bemühen? Wir haben da vor fünfzehn Minuten ein Fleischgericht bestellt.Sie müssen da ja einen ganz besonderen Koch haben,der in so kurzer Zeit ein so altes Essen herstellen kann.Wir würden diesen Künstler gerne kennen lernen und ihn nach seiner Vorgehensweise befragen.
So höflich befragt wird man uns den Hochgelobten gerne vorstellen und uns die Möglichkeit bieten,Küchenerfahrungen auszutauschen.
Unerfahrenen Ostasienreisenden sei noch eine Vorsichtsmaßnahme mit auf den Weg gegeben:oft kommt es zu Verwechslungen von chinesischen und japanischen Köchen.Am Besten immer erst fragen, denn die japanischen Köche reagieren auf Kritik sehr oft mit Harakiri oder bieten dem Kritiker gerne eine Portion ihres letzten Versuchs ,Kugelfisch zuzubereiten an,je nach Temprament.

Freitag, 29. Juni 2012

Shanghai

Was ich ja sonst in höchstem Maße verabscheue,ist,in ein Starbucks zu gehen,wenn es eine einigemaßen gute Teestube oder Joaozibude gibt.Aber der Not gehorchend fand ich diese Kaffeeschmiede in der Nähe von Annes Wohnung und habe hier versucht,ins Internet zu gelangen und zwar in meinen Blog,in den ich in Annes Wohnung nicht reinkomme.Hier im Starbucks klappt das ganz prima
Und ich nehme alle meine Vorbehalte zurück und behaupte das Gegenteil.
Nun zum Erlebten:
Als ich hier in Shanghai ankam,muß ich wohl schon krank gewesen sein und die Erkrankung war wohl auch eine ansteckende,denn innerhalb der nächsten drei vier Tage bekamen alle Familienmitglieder die gleichen Probleme mit dem Magen und dem ganzen Zeug. Wir sind dann auch alle ins Krankenhaus marschiert und haben das untersuchen lassen.Die Ärzte meinten,das sei nichts Schlimmes und haben uns eine bittere chinesische Medizin verschrieben,die wir dann unter gegenseitigem Bemitleiden geschluckt haben.Schon nach kurzer Zeit war dann alles wieder in Ordnung und das chinesische Essen schmeckte wieder .So habe ich mich erst mal richtig erholt weil ich gemerkt habe,das das alles doch sehr anstrengend war und Substanz gekostet hat.Jetzt,wo es wieder besser geht,werde ich mich nicht gleich wieder auf die Reise begeben,sondern ich habe für die nächsten Wochen einen Chinesischkurs gebucht und mache ein paar Sprachübungen.Da bin ich ganz gut beschäftigt und habe meine Unterhaltung,wenn mir das Kindergeschrei zu viel wird.Da ich jetzt weiß,wie ich wieder an meinen Blog komme werde ich in den nächsten Tagen wieder etwas von meinen Spaziergängen durch die Stadt berichten,auch wenn ich weiß,das die meisten meiner treuen Leser inzwischen ihre Zeit besser zu nutzen wissen,als auf meine Nachrichten zu warten.Als Anhang sende ich heute ein paar Bilder von der Familie und von der
Stadt.

Montag, 18. Juni 2012

Abflug und Ankunft

Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte,nach Shanghai zu fliegen,verging die Zeit,wie im Fluge.Ich hatte mit größten Mühen das Geld für den Flug aus allen verfügbaren ATM-maschinen der Stadt zusammengekratzt.Schon der Taxifahrer,der mich an den Flughafen brachte,wollte von der eigenen Landeswährung nichts wissen und verlangte Dollar.Das Verladen des Fahrrads in den Flughafen und dann in die Maschine unterschied sich nur in geringen Details von allen anderen Verladungen.Erstmal wurde wieder behauptet,das es nich möglich sei und dann nach Rücksprache mit übergeordneten Stellen ,ging dann doch alles.Allerdings mußte ich dieses Mal einige meiner so schwierig erworbenen Dollars an die Fluggesellschaft abgeben,weil das ganze,mitgeführte Material doch einiges mehr wog,als erlaubt.Aber ich mußte niemandem zusätzlich ein paar Dollar in die Hand drücken.Durch den ganzen Stress mit dem Geldholen und den Diskussionen,ob ein Fahrrad nach China fahren darf oder nicht hatte ich von morgens um fünf bis abends um neun keine ruhige Minute gehabt und im Flugzeug nach Beijing konnte ich auch nicht schlafen,weil sich mein Nachbar so dick gemacht hatte und sofort zu schnarchen anfing.In Beijing angekommen ging der Stress gleich weiter.Riesenschlange bei der Einreisekontrolle.Weil niemand so richtig wußte,wo mein Rad angekommen war und der Flughafen wirklich sehr gut besucht war,brauchte ich einige Zeit um herauszufinden, wo es versteckt war.In der hintersten Ecke hatten sie es abgestellt und das wußten nur wenige,von denen ich zum Glück nach längerem hin und her einen traf.Leider hatte ich keine Hand mehr frei und auch keine Zeit,um die Aktion zu fotografieren,aber die Chinesen haben so eine Vorführung sicherlich auch nicht jeden Tag.Eine sprichwörtliche Langnase mit Riesenreisegepäck und dann noch ein Fahrrad obendrauf rast durch die ganze Halle,rempelt alles um,blockiert den Lift und bekommt noch eine Sonderbehandlung am Abfertigungsschalter,weil das Rad mal wieder nicht durch den Röntgenscanner passte und in der Röhre stecken blieb, obwohl ich den Aufpassern das schon gleich angesagt hatte.Schließlich erreichte ich den Flieger nach Shanghai mit Müh und Not und auf dem relativ kurzen Flug nach Shanghai war auch nicht die Zeit,das ich mich mal ausruhen konnte.So kam ich dann völlig übermüdet und fix und fertig in Hongqiao an.Zum Glück erwartete mich der Pampam am Empfang und ich hatte eine gute Hilfe beim Finden eines passenden Taxis und mußte nicht das ganze Zeug selber schleppen.Großes Hallo bei der Ankunft.Die jüngste Enkelin fing auch gleich zu weinen an,aber nicht vor Freude,sondern weil ihr der Mann mit dem Fell im Gesicht überhaupt nicht gefiel.Als sie sich dann wieder etwas beruhigt hatte saß sie kopfschüttelnd auf dem Sofa und musterte mich sehr skeptisch.Ich selbst fühlte mich auf einmal sehr schlecht und hatte einen kleinen Zusammenbruch,legte mich dann sofort ins Bett und schlief von mittags bis zum nächsten Morgen durch.Das war wohl doch alles ein bißchen viel für einen alten Menschen wie mich.Endlich war ich in Shanghai.Zwar anders als geplant aber doch froh,es geschafft zu haben.

















 

Freitag, 15. Juni 2012

Sorgenfrei mit VISA

Als ich von zuhause weg fuhr,in der Meinung,ich bräuchte eigentlich nur wenig Bargeld mitzunehmen,war ich doch recht blauäugig und hatte keine Ahnung,wie das mit dem Geld in Ländern wie z.B.Usbekistan so läuft.Die finanzielle Situation und auch die Wirtschaftslage des Staates scheint sehr angespannt zu sein denn beim Eintritt in das Land muß der Tourist angeben,wieviel Devisen er mitbringt .Der Staat will das kontrollieren,und hat doch keine Kontrolle,über das,was dann passiert.Der Geldwechselkurs auf dem Schwarzmarkt ist ca.30% höher,als in den amtlichen Wechselstuben und die Geschäfte geben wegen der Inflation der Landeswährung ihre Preise fast nur in Dollar an und sind froh,wenn du in Dollar bezahlst.Das ist zwar verboten,aber allgemeine Praxis.
Leider war ich auf diese Situation nur unzulänglich vorbereitet und hatte mir im Voraus keine Dollar besorgt.ich dachte,das es doch Geldautomaten geben müßte,die einen mit dem Nötigsten versorgen könnten.Das war ein Irrtum.Geldautomaten sind sehr selten hier,sie funktionieren meistens nicht oder sind leer.Wenn du Geld brauchst,mußt du zu den Geldwechslern gehen oder zur Nationalbank(so war die Situation in Samarkand,hier in Tashkent ist es wieder anders)und dort bekommst du dann Dollar,die du dann in Landeswährung umtauschen kannst,was natürlich dazu verführt,sich am Schwarzmarkt zu bedienen.Durch meine nicht ganz unerwartete Lage,das ich jetzt nicht mit dem Fahrrad weiterfahre sondern ein Flugzeug für die Reise nach China benütze,benötige ich ein paar Dollar mehr als geplant. Das Reisebüro will,das ich den Preis in Dollar bezahle,aber wo bekomme ich so viel Geld auf einmal?Jedenfalls nicht mit meiner VISA-karte an einem Geldautomat.Der gibt nur Mengen bis 100$ in einer Sitzung heraus und das nur zweimal am Tag.In den Wechselstuben schauen dich die Frauen ganz komisch an,wenn du mit einer Forderung über einen so hohen Betrag ankommst und man hat das Gefühl,man wird wie ein Verbrecher behandelt,denn du mußt deinen Paß vorweisen.Der wird dann erst mal kopiert und die Nummer in verschiedene Folianten eingetragen .Dann ruft die Dame irgendwo an und diskutiert mit irgendwem irgendetwas aus und kommt dann an den Schalter und sagt dir,das sie so viel Geld nicht auszahlen können und das ich es doch mal bei einem anderen Geldwechsler versuchen sollte.Inzwischen habe ich meine Forderung auf Teilbeträge umgestellt und hoffe,das ich am Tag in verschiedenen Wechselstuben und an verschiedenen Geldautomaten soviel zusammenbringe,das ich das Reisebüro zufrieden stellen kann wenn das nicht klappen sollte,muß ich noch ein paar Tage hier in Trashkent bleiben,um die immense Summe von 750$ zusammen zu bringen.(Gerade habe ich einen Geheimtip vom Portier bekommen,das im Raddison Blue ein Geldautomat steht,der funktionieren soll und der bis zu 500$ rausgeben soll)Ich muß jetzt schnell Schluß machen und losrennen,sonst ist der Apparat bis ich da bin vielleicht schon leer oder kaputt.

Dienstag, 12. Juni 2012

Siehs doch mal positiv

Nach all dem Rumgeschubse und wichtigem Getue ist nun dann wieder Ruhe eingekehrt und ich habe mich mit der Situation,so wie sie ist abgefunden.Fertig,aus!!Vielleicht zu schnell,zu wenig kämpferisch,aber gegen welchen Gegner hätte ich eine Chance?Bestimmt nicht gegen den chinesischen Amtsschimmel oder Drachen.Also nimms hin und mach das Beste draus.Heute war ich deswegen schon wieder auf dem Touristenpfad und bin mit der U-Bahn zur Altstadt von Tashkent gefahren.Dort befinden sich die Moscheen und Koranschulen,die hier nicht so imponieren,wie die in Samarkand ,aber der Basar dieser Stadt ist schon sehenswert.Rund um die Metrostation sind die Hallen und Kuppelbauten errichtet und es ist ein Leben und Treiben,fast wie auf dem Oktoberfest.Besonders beeindruckend,der große Kuppelbau,in dem der Gewürzmarkt untergebracht ist.Eine Riesenhalle voller Farben und Gerüche,und der Küchenfreund hat seine größte Freude,mal an allem zu riechen.Leider ist die eingehendere Beschäftigung mit den einzelnen Kostbarkeiten nicht so ergiebig,da die Fragen,die ich zu den vielen unbekannten Pulvern und Körnern und Flüssigkeiten und Pasten hätte ,können mangels Sprachproblem nicht gestellt werden.Aber die Geschmäcke und Nasenreize sprechen für sich und wenn ich noch Platz in meinen Taschen hätte,ich würde alles aufkaufen, kiloweise.Leider war die Batterie meines Fotoapparates leer als ich in die Gewürzabteilung kam,doch da ich ja noch ein paar Tage hier bin werde ich sicherlich noch mal mit geladener Kamera den Weg zum Basar finden.Auf dem Spaziergang durch die Altstadt entdeckte ich einige alte Lehmbauten aus vergangenen Jahrhunderten und eine Holzschnitzerwerkstatt,die in einer stark renovierungsbedürftigen Koranschule untergebracht ist.Dort arbeiten vorwiegend Jugendliche (Kinder?)mit kleinen feinen Werkzeugen an den Verzierungen von Holztellern und Dosen.Sind so kleine Hände...!?Ich durfte jeden Arbeitsvorgang anschauen und die Fähigkeiten dieser kleinen Künstler bewundern und sie waren sehr enttäuscht,das ich sie nicht fotografieren konnte.Vielleicht hole ich das noch nach.Auf der U-Bahnfahrt zurück ins Hotel,klingelte schon wieder der Polizeistaat an meiner Türe.Ein U-Bahnwächter wollte meinen Pass sehen,ich sah aber keine Veranlassung,das ich den Pass herzeigen müßte und habe ihn ein bisschen auflaufen lassen,indem ich ihm immer meinen Jeton gezeigt habe,den ich gerade gekauft hatte. schließlich war er ganz verzweifelt ,so das er mich ganz entnervt zum Bahnsteig gewunken hat,damit ich ja schnell weiterkomme.Ich hätte ihm ja stolz meine 22 Registrierungen zeigen können,aber wenn dann doch eine gefehlt hätte,was dann???

Montag, 11. Juni 2012

Ende einer Lustfahrt

Liebe Freunde,
Nach einigen Strapazen,von Frost und Hitze gestählt,und doch mit unvergesslichen Erlebnissen und Bildern bedacht,werde ich meine Reise als Rad-Bus-Bahn-Schiff-Taxifahrt hier in Tashkent beenden.Das macht mich zwar unsagbar traurig,aber die Formalien der chinesischen Visaerteilung sind zur Zeit nicht so,das man als Einzelreisender mit dem Rad in das Reich der Mitte einreisen darf.Es wäre doch zu einfach gewesen.Auf dem Konsulat war man nicht sehr hilfreich und niemand wollte mir erklären,worin das Problem besteht.Die freundliche junge Dame,die Englisch sprechen konnte meinte nur das die Bestimmungen eben so sind,wie sie sind und das man da nichts machen kann.Somit wird es auch keinen Sinn machen,nach Bishkek zu fahren und es dort zu versuchen,denn wenn ich dort auch abgewiesen werde hab ich mich umsonst über die Berge gequält und nichts erreicht.
Ich werde nun den Flieger nach Shanghai nehmen und versuchen,die Fortsetzung der Reise entlang der Seidenstrasse ohne das Fahrrad zu unternehmen.Diesen Reiseabschnitt werde ich aber erst in Shanghai genauer planen.Jetzt gibt es nur das eine Problem,das die Reiseagentur mir nur eine Flugkarte verkauft,wenn ich ein Visum habe und die Chinesen mir gesagt haben,das ich ein Visum bekomme,wenn ich ein Flugticket habe. Äh!hm?Aber auch dieser Knoten müßte irgendwie zu lösen sein.Es ging doch bis jetzt immer irgendwie weiter und die chinesische Mauer hat doch inzwischen auch schon ein paar Löcher.Ich habe nur das Gefühl,so langsam an die Grenzen des Zumutbaren zu stossen und da hört der Spass an der Reise irgendwie auf.

Registrierung

Zusätzlich,zum beantragten und erteiltenVisum,muß der oder die Tourist/in registriert werden.Wofür oder wogegen das gut sein soll,müßte mir allerdings irgendwann mal genauer erklärt werden.Wen könnte es interessieren,das ich jeden Tag bei der Polizei gemeldet bin,außer vielleicht die Polizei selbst,damit sie eine schöne Aufgabe hat und sich auch vielleicht den einen oder anderen 1000 Sumschein zustecken lassen kann,wenn irgendwelche Unregelmäßigkeiten entdeckt werden.
Ich komme jedenfalls am Abend ziemlich müde in Tashkent an und suche ein Hotel.Der Mann,der mir helfen möchte ist ein Taxifahrer,der sich ein kleines Geschäft davon verspricht,wenn er vor mir herfährt um mich zu einem Hotel zu leiten.Als wir im Hotel sind freue ich mich schon auf die Dusche und will meine Taschen auspacken,da kommt der Portier an und sagt,ich müsste wieder ausziehen,denn ich sei die letzten zwei Tage nicht registriert gewesen und deswegen darf er mir kein Zimmer vermieten.Auf meine Frage,wohin ich denn gehen soll,sagt er nur:Anderes Hotel.Also fahre ich mit meinem ganzen Zug weiter durch die Stadt um ein anderes Hotel zu finden.Aber nachdem ich eins gefunden hatte geht die Sache schon wieder los.Wo ist die Registrierung der letzten Tage?Ich bin in den letzten Tagen unterwegs gewesen,mit dem Fahrrad und habe auf dem Feld geschlafen,wo sollte ich mich da registrieren lassen?Nein,sie können mich nicht im Hotel aufnehmen,weil sie sich da strafbar machen.Inzwischen war es schon 11.00 Uhr in der Nacht.Ja,soll ich jetzt im Park schlafen?Oder auf dem Bahnhof.Ich hatte auch schon einige sehr schöne Buswartehäuschen gesehen,aber da bekomme ich ja auch keinen Stempel für meinen Pass.Da ich mich jetzt weigere,die Hotelhalle zu verlassen,sagt mir der Portier,das es Hotels gibt,die mich aufnehmen könnten und er gibt mir eine Adresse.GRAND PLAZA.Genau das was ich suche.Dreimal so teuer wie die anderen, aber mit Registrierung,die wird da einfach nachgetragen oder so???Die Leute in diesem großen Hotel waren dann auch sehr nett und haben sich gefreut,als ich mit meinem Fahrrad durch die Empfangshalle gezogen bin.Ja,sie kümmern sich darum,das ich meine Bescheinigungen bekomme ,das geht doch alles klar und sie machen mir einen Sonderpreis. Inzwischen war ich so kaputt,das ich das alles einfach hingenommen habe,nur damit ich schnell ein Bett und eine Dusche bekomme.Das wird wohl auch die Absicht dieses Terrors gewesen sein,das man dem ahnungslosen Übermüdeten ein paar teure Nächte im Hotel aufdrücken kann.Die stecken sicherlich alle unter einer Decke und die teuren Hotels gehören vielleicht der Familie des Präsidenten?Ich fühlte mich jedenfalls verfolgt und verarscht.Nach einer warmen Dusche und einem langen und tiefen Schlaf,sah die Sache am anderen Morgen dann schon etwas freundlicher aus.Ich war jetzt registriert und da fühlt man sich doch gleich viel besser und ich glaube,das ist ja auch der Sinn der Registrierung,das man sich einfach besser ,registrierter ,beachteter fühlen kann.Danke.Das Leben kann so schön sein.Meine Registrierungssorgen bin ich los.Jetzt muß ich nur noch auf die chinesische Botschaft,um mir ein Visum zu besorgen und da in China,da geht das dann sicherlich schon wieder weiter,denn die mögen das auch nicht,wenn Leute ohne Registrierung frei so rumlaufen,wenn sie es überhaupt mögen,das Einzelreisende in ihrem Land herumlaufen.Morgen weiß ich mehr darüber und werde sehen,wie es weiter geht.


Samstag, 9. Juni 2012

Usbekische Momente

1.Der usbekischste Moment ist das Zählen der 1000 Sum (30 Eurocent) Scheine.Überall,wo gehandelt und verkauft wird raschelt und rauscht es im Blätterwald und wenn du dich auch nur einmal verzählt hast,mußt du das ganze noch mal von vorne beginnen,was schon ziemlich zeitraubend ist.In den Supermärkten der Großstadt haben sie Zählmaschinen.Das macht aber nicht so viel Spaß,wie das Zuschauen auf dem Basar,wenn ein geschickter Händler das tut.

2.Bezahlen beim Taximann.
Frage:was Kostet die Fahrt.
Antwort:was willst du bezahlen. Folgt:Angleichung der verschiedenen Auffassungen über den Wert der Fahrt.

3.Registrierung.Ohne Registrierung bist du kein Mensch,gibt es dich nicht. Erinnerung an den Hauptmann von Köpenick.

4.Ein Taxi hält auf der Landstrasse am Fahrbahnrand im Nirgendwo.Es steigen drei Frauen aus, die alle in große Säcke, aus dem gleichen braun-golden gemusterten Stoff, gekleidet sind.Sie nehmen ihre Tüten und Pakete und warten an der schmalen Seitenstrasse,im Schatten ihrer Regenschirme ,darauf, abgeholt zu werden.

5.Teepause in einem Restaurant an der Strasse.Da steht so ein großes Gestell,da liegen Matten und Kissen drauf.Da darfst du dich hin hocken oder legen,wenn du dir vorher die Schuhe ausgezogen hast und bekommst deinen Tee serviert und ein paar Wallnüsse und Rosinen dazu.

6.Einkauf im Dorfmagazin.Die Cola muß bezahlt werden.Das Brot bekomme ich geschenkt als man hört,das ich aus Deutschland komme.

7.Ich habe noch nie so viele Eselskarren gesehen,wie hier in Usbekistan.Viele Bauern reiten auf ihrem Esel oder fahren mit dem Eselskarren auf das Feld zur Arbeit.Manchmal sitzen sie auch zu zweit auf dem kleinen Tier und dann
tut einem das arme Tier doch leid.Aber ich finde das doch sehr schön,das man hier noch sehen kann,wie wertvoll die Dienste dieses anspruchslosen Lasttieres sind.Der Gedanke,das der Esel auch in Deutschland mal der Kleinlaster des Bauern war scheint so fern und es ist doch vielleicht gerade mal 100 Jahre her,das es so war.Schaut doch mal bei Wilhelm Busch rein.

8.Wenn ich mit meiner Fuhre die Landstrasse entlangkomme,dann lassen die Leute,die auf den Feldern arbeiten ihre Arbeit fallen und kommen an die Strasse gelaufen um den verrückten Ausländer vorbeifahren zu sehen.Meistens wollen sie,das ich anhalte,um ein Foto von ihnen zu machen.Wenn ich allerdings jeder Aufforderung zum Anhalten nachgegeben hätte,dann wäre ich wohl noch nicht mal in Buchara(und ich bin schon in Tashkent).

9.Dialoge,ohne gemeinsame Sprache. Leider ist es mir nicht gegeben, entweder Russisch oder Usbekisch zu sprechen und die wenigsten Usbeken können Englisch oder Deutsch.Da die Menschen aber neugierig sind,haben sie Mittel und Wege gefunden,sich zu verständigen.Das sind zwar keine Diskussionen über die Menschenrechte oder die Politik von Frau Merkel aber wenn ich weiter fahre wissen immer alle,das ich aus Deutschland komme,das ich 65 Jahre alt bin,verheiratet bin und zwei Kinder und drei und bald fünf Enkelkinder habe.Diese Informationen sind den Menschen hier wichtig und befriedigen ihre Wissbegier.

10.Auch der usbekische Friseur ist ein wahrer Meister seines Faches.Obwohl mit meiner Haarpracht nicht mehr viel zu veranstalten ist,hält er sich dafür um so länger beim Trimmen meines Bartes auf.Da wird fast mit Lineal und Zirkel gearbeitet,um alles schön symmetrisch hinzubekommen.Die Rasiermesser werden in Alkohol und Rosenwasser gebadet und anschließend,nach der Rasur wird der Kopf und der Nacken vom Meister in einer Weise massiert,die schon fast an Körperverletzung grenzt aber doch sehr entspannend wirkt.Das dauert immer ungefähr eine halbe Stunde und kostet
1,50 €.Soviel sollte einem soviel persönliche Zuwendung doch wert sein.Aber vielleicht bin ich als Alleinreisender da auch besonders empfänglich.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Samarkand 2

Die Moschee
(Historisch vermischt)
Die Xasrati Xizr soll die Älteste Moschee von Samarkand sein.Der Sultan oder Khan hatte irgendwo auf seinen Raubzügen,die alle irgendeinen religiösen Hintergrund hatten,die heilige Hand des Propheten Daniel erobert und sie als Beute mit nach Hause gebracht(warum auch immer).Als er nach Samarkand zurück kam,stoppte das Pferd,das die heilige Hand tragen durfte, just an dieser Stelle.Der Sultan schloß daraus, sofort und messerscharf,das die Hand hier,an dieser Stelle eine Gedenkstätte in Form einer Moschee haben wollte.Ein für eine heilige Hand durchaus nachvollziehbarer Wunsch,zumal da auch noch eine heilende Quelle dazugekommen war,denn da, wo das Pferd stehen geblieben war hatte es mit dem Huf eine Wasserader angegraben und das Wasser sprudelte hervor.
Soweit zur Geschichte,die zwar so nicht ganz für diese Moschee zutrifft,aber eigentlich für alle heiligen Orte  zutreffen könnte.
Heute sieht die Moschee aus,wie auf dem Bild gezeigt und hat schon viele Veränderungen in der Bausubstanz über sich ergehen lassen müssen.Nach Zerstörung durch Feindeshand, Erschütterung durch Erdbeben und Vernachlässigung durch Ungläubige wurde sie immer wieder neu aufgebaut oder renoviert.Der letzte Erneuerer war der aktuelle Präsident der Republik Usbekistan.
Was ich an dieser Moschee so bemerkenswert finde ist,das sie so schlicht und einfach daherkommt und nicht protzt und prunkt.Sie lebt und ist von den Menschen bewohnt,die in ihr arbeiten.Die kochen sich hier in einer kleinen Nische auf einem Gaskocher ihre Mahlzeiten und ihren Tee.Die schlafen hier in kleinen Kämmerchen auf dem Fußboden und machen alles sauber und sorgen dafür,das alles geordnet abläuft.Ich,als Ungläubiger durfte den Betraum betreten,nachdem ich mir die Schuhe ausgezogen hatte.Kommen jedoch Besucher,die dem rechten Glauben angehören,dann nimmt sie sich der Immam zur Brust und versammelt sie in einer Ecke vor dem Betraum und veranstaltet dort eine kleine Andacht mit Gebet.Erst dann dürfen sie das Gotteshaus betreten.Ich betrachte das als Respekt vor dem Göttlichen ,vielleicht mehr als nur eine Geste.Man sollte nicht da so rein trampeln in den Raum der Stille und des Gebets.Wäre das nachahmenswert,auch in unseren sehenswerten Kirchen und Kathedralen?Wahrscheinlich undurchführbar,wegen Pfarrermangels. Die Humanresource Mensch ist zu teuer geworden,das wäre unbezahlbar,aber eigentlich in jeder Hinsicht.Aber es gibt ja diese elektronischen Führer,die Walkmänner,die könnten doch so eine Aktion im Vorspann mit den Besuchern durchführen und erst dann mit der Führung anfangen,wenn der Besucher auf "Confirm" gedrückt hat.

Dienstag, 5. Juni 2012

Samarkand

Die Stadt Samarkand hat, meiner Ansicht nach, nicht zu Unrecht den strahlendsten Namen von allen der von mir bisher besuchten Orten.Das,was an Bausubstanz der alten Stadt übrig geblieben ist und die Zerstörung durch die unterschiedlichsten Ignoranten überstanden hat,ist noch gewaltig und beeindruckend genug,das es den Vergleich mit europäischen Stadtanlagen nicht zu scheuen braucht. Gleich nach meiner Ankunft machte ich einen Spaziergang durch die Altstadt und landete gleich bei zwei der zentralen Bauwerke,der Grabstätte der Timuriden dem Gur-Emir Mausoleum und am Registanplatz,an dem drei Medresen einen großen Platz begrenzen.Hier ist es am Abend ,wenn die Sonne untergeht,besonders stimmungsvoll und es kommen viele Menschen her,um das zu erleben.Man hat dafür sogar extra Bänke aufgestellt, das man sich das in aller Ruhe anschauen kann.Leider sind diese Bauwerke alle nicht mehr im Originalzustand,sondern mehr oder weniger perfekt restauriert denn nicht nur der Zahn der Zeit sondern auch einige räuberische "Archäologen"
haben an der Substanz genagt. Das hatte zur Folge,das einige der wertvollsten Teile in den Museen Berlins,Londons und St.Petersburgs die Hauptattraktionen der islamischen Sammlungen sind.
Natürlich lief mir der inzwischen scheinbar unvermeidliche , scheinbar fliegende Holländer über den Weg und mit ihm noch zwei Belgier, die ich auch im Hotel in Khiva getroffen hatte.Die Australier und die beiden Deutschen waren schon weitergereist.Ich werde drei Tage hierbleiben und dann nach Tashkent weiter fahren.Dort werden wir dann eine Abschlußkundgebung "Seidenstraße 2012" veranstalten und ich hoffe es werden alle da sein.

Sonntag, 3. Juni 2012

Buchara 3

Diese alten Städte an der Seiden straße lebten und leben nicht nur vom Handel mit dem Stoff,der der Straße den Namen gibt sondern es gibt da noch so viele andere Dinge,mit denen man so manches gute Geschäft machen kann.Inzwischen sind es wohl die Souvenirs,seien es Teppiche, kupferne Kessel und Teller,Keramik schalen,gebogene Dolche und Messer und schöne gemalte Miniaturen.Diese Miniaturen hängen zu hunderten in allen Geschäften und da fragt man sich natürlich,wer malt so etwas in diesen Mengen?In einigen dieser Läden sitzen junge Männer,über Papiere gebeugt und füllen wie bei Malbüchern die leeren Vorlagen aus.Während ich einem dieser Maler über die Schulter gucke,spricht mich der Herr des Ladens an.Ich soll doch mal in den Laden hereinkommen ,denn da wären noch viel mehr und noch schönere Kunstwerke zu sehen.Ich folge der freundlichen Einladung und betrachte mir die vielen Bilder,die drinnen genauso aussehen,wie draussen,nur,das es drinnen dunkler ist und man eigentlich gar nichts richtig sehen kann.An einem Schreibtisch an der Wand sitzt ein junger Mann,der Sohn des Besitzers und malt seine Vorlage aus,mit Temperafarben,wie mir erklärt wird.Und er malt und malt und malt.Ich frage,woher sie ihre Vorlagen haben und ob es da vielleicht einen Katalog gäbe,weil ja auch in den anderen Läden die gleichen oder sehr ähnliche Bilder hängen.Nein,das ist alles ohne Vorlage und aus der reinen Kreativität gemalt.Alles sind Werke aus seiner Malschule und die Farben sind alle aus Buchara,nämlich von der Mutter nach alten Rezepten selbst gekocht.Ein Bild zu malen das dauert mindestens 20 Tage,so viel Arbeit und Schweiß steckt da drinne.Trotzdem würde er mir einen Rabatt von 20% auf alles geben,weil ich so früh am Tag schon da sei und bekanntlich der frühe Vogel...bester Preis in ganz Buchara und das wären dann 100 Dollar für dieses schöne Bild.Die Bilder sind sicherlich keine Drucke aber wenn der Sohn 20 Tage für ein Bild braucht,dann müßte er mindesten 150 Jahre alt sein,wenn er die ganzen Bilder der Auslage gemalt hätte.0der der Opa und der Vater haben schon ihr Leben lang auf Vorrat gemalt,damit all diese Bilder zusammen kommen konnten.eigentlich wollte ich ja auch gar kein Bild kaufen,weil ich es ja dann mit durch alle weiteren Länder mitschleppen müßte,also fange ich auch gar nich erst ab zu handeln an.Der Chef fragte mich dann,wo ich herkomme und als er hörte,aus München,meinte er,das er am überlegen wäre,ob er dieses Jahr auf der "Heim und Handwerk" einen Stand mieten sollte,um seine Produkte anzubieten.Da habe ich ihm gleich gesagt,das ich mich freuen würde,ihn in München besuchen zu können und das wir vielleicht dort zu ähnlichen Konditionen ins Geschäft kommen könnten und habe mich verabschiedet,froh,den Absprung so gut hinbekommen zu haben,denn es ist ja doch immer ein trauriger Moment,wenn ein Kunde den Laden verlässt,ohne etwas gekauft zu haben.So bleibt dann doch noch die Hoffnung.

Samstag, 2. Juni 2012

Buchara 2

Buchara ist nicht die Traumstadt und romantisieren möchte ich sie auch nicht,obwohl es sie hier gibt,die orientalischen Momente im Alltagsleben und in der Architektur.Doch da ist noch viel zu tun,um alles instand zu setzen und wirkliche Schmuckstücke zu präsentieren.Vielleicht dauert es ja noch ein paar Jahre,bis alles perfekt ist.Sicher gibt es Stimmen,die sagen.das ist es ja gerade,dieses Halbfertige,was das orientalische ausmacht.Ich fände es allerdings schöner,wenn z.B.auch die Strassen auf denen man sich bewegt,in gutem Zustand wären und man nicht ständig Angst haben muß,das man in einen offenen und ungesicherten Kanalschacht fällt.Vielleicht bin ich aber auch durch meinen Unfall jetzt überkritisch geworden.Die Moscheen und Medresen sind zum Teil auch noch nicht restauriert aber es wäre natürlich auch nicht so wünschenswert,wenn in jeder luxussanierten Medrese ein Starbucks oder ein McDonalds eingezogen wäre oder in den liebevoll hergerichteten Moscheen die Armanis und Boss zuhause wären.Das ist hier noch nicht so,wie in anderen Touristenhochburgen,das sich die Elite der Konsumverführer in den Hauptsehenswürdigkeiten eingerichtet hat.Die Souvenierecken sind hier noch größtenteils mit einheimischen Produkten wie Teppichen,Seiden stoffen,Töpferwaren und bestickten Decken ausgestattet,wodurch ein lokales Flair zustande kommt,auch wenn die Waren,um die gefeilscht wird inzwischen meist aus China kommen.