Mittwoch, 25. April 2012

Hupkonzert

Dem Automobil gehört hier in Baku die Welt.Fußgänger sind weitgehend ungeschützt und müssen besonders gute Sprinteigenschaften haben,um heil und lebendig über die großen Strassen zu kommen.Sobald ein Autofahrer einen Fußgänger irgendwo in seinem Reich,nämlich auf der Straße, erblickt,läßt er sein Horn erschallen und wenn einer hupt,dann hupen sie alle.Auch hier in Aserbaidschan ist es ein Zeichen von Schwäche und von zu großer Nachgiebigkeit,wenn der Bremsfuß eingesetzt wird.Aber freie Fahrt für freie Bürger ist auch hier der Wunschtraum der motorisierten Landsleute.Der wachsende Verkehr hat längst die Straßenbaumöglichkeiten überholt und so gibt es,wenn morgens oder mittags die Werktätigen zur Arbeit strömen,stinkende und wie wild hupende Blechschlangen,die sich nur im Schritttempo vorwärts bewegen können.Dazu kommt noch,das die Verkehrszeichen scheinbar von den Behörden völlig falsch aufgestellt sind,denn es ist sehr häufig zu sehen,das jemand die Einbahnstrassen in der falschen Richtung benutzt und die,die richtig fahren, das auch ohne weiteres tolerieren aber nur wenn sie das mit ihren Hupen begleiten dürfen.Will jemand ,wenn sie oder er einen freien Parkplatz sieht, rückwärts einparken, dann ist das nur unter dem Hupkonzert der anderen Verkehrsteilnehmer möglich,denn das hält ja den Verkehrsfluss auf und muß behupt werden.Mögen die Kolbenringe klappern,die Ölwanne und der Kühler tropfen,die Stoßdämpfer nicht mehr dämpfen und die Bremsen nicht mehr bremsen,das wichtigste Teil am Auto ist auch hier die Hupe und die erklingt in Dur,wenn es vorwärts auf die Jagd nach Fußgängern geht und in Moll wenn mal wieder alles steht und die einzigen,die noch vorankommen die verhassten Fußgänger sind.
Radfahrer gibt es hier keine und es war schwierig,ein Geschäft zu finden,wo es Flickzeug zu kaufen gibt.Ich hatte in einem Bericht einer Engländerin von 2002 gelesen,das es hier ein Velodrom gibt,also ein Radrennstadion und machte mich auf die Suche danach.Als ich es fand ,war es schon in einem sehr abgerissenen Zustand,aber die Katakomben waren noch belebt.Hier gibt es etwa zehn kleine Zimmer,in denen sich Fahrradreparateure eingerichtet haben und alle möglichen Verrichtungen an kaputten Drahteseln ausführen.Originale Reparatursets gibt es keine,aber man verkauft gerne,was man selbst benutzt.Und so bekam ich für 4€ zehn Flicken und eine angebrochene Tube Gummilösung,die noch flüssig war und als Dreingabe schenkte mir der freundliche junge Mann noch einen Fetzen Schmirgelpapier.Rein ausrüstungsmäßig könnte mir jetzt eigentlich nicht mehr viel passieren,,denn für die nächsten 4000 km bin ich damit gut versorgt.

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