Aus dem warmen,weichen,sauberen Hotelbett in die raue Welt zurück das ist der Kulturschock.Im Hotel waren sie alle sehr nett und freundlich und haben mich meistens verstanden,aber da draußen versteht mich keiner und alle sagen immer:Njet!Njet!NjetDas ging schon morgens im Supermarkt los,wo ich meinen Rucksack njet mit zum Einkaufen nehmen durfte.Da war ein Wachmann und der sagte.Njet!Dann war ich in einem großen Einkaufsgebäude und wollte ein Foto von meinem Fahrrad mit der schönen neuem Fahne machen aber da war ein Aufpasser und der sagte: Njet.Fotografieren im Einkaufsland verboten.Dann wollte ich meine übrig gebliebenen Manat (Aserb. Währung)umtauschen und bei allen drei Banken bei denen ich es versuchte und im Internationalen Flughafen von Aktau sagten die Damen und Herren:Njet!Wir tauschen nur Dollar,Euro und Rubel.alles andere ist nicht möglich.Warum auch immer.
Aber trotz Wohlfühlens und Rundumversorgung,ich bin ja nicht zum Faulenzen hier,es muß ja weitergehen und da habe ich mir gedacht,mal nach Fort Shevchenko zu fahren,weil das so schön am A... der Welt liegt und weil ich ja hier in Kasachstan noch ein paar Tage zur Verfügung habe,die ich radfahrend nutzen möchte.
Durch ein großes Tor,das eine Markierung für die Seidenstrasse sein soll geht es ab in die Steppe.Schon bald lerne ich,das wenn hier auf der Strassenkarte keine Orte eingezeichnet sind,es dann auch wirklich nichts an Besiedlung zu sehen gibt.Es ist reine Steppe,auf der man nur Pferde,Kühe und Kamele antrifft und das auch nicht dauernd.Mich hatte es schon gewundert,das ich hier keine Bushäuschen(meine bevorzugte Übernachtungsalternative zum Luxushotel)am Strassenrand sehen kann,aber jetzt wo ich in Fort Shevchenko bin, weiß ich auch warum.
Es gibt wirklich keinen Grund,für fast niemanden auf der Welt hierher zu kommen.Würde man mich jetzt fragen,warum denn du,dann würde ich antworten:"Einfach mal um zu sehen,warum Menschen dort leben wollen."Da gibt es für mich, für die, in etwa so viel Verständnis,wie umgekehrt.Die Shevchenkoer halten mich ja auch für verrückt und zeigen mir das ja auch.Auch der kasachische Staat hält es für ziemlich unwahrscheinlich,das es Menschen geben könnte,die nach Shevchenko fahren wollen könnten und dementsprechend hat man die Strasse hergerichtet oder ,besser gesagt,
verkommen lassen.Der Zwang,alle Schlaglöcher zu umfahren,macht aus einer Entfernung von 132 km leicht die doppelte Wegstrecke.Da ich diese Tatsache nicht berechnet hatte,war es nicht möglich,mein Ziel in der eingeplanten Zeit zu erreichen und ich mußte mal wieder auf freiem Felde übernachten.So habe ich mir dann bei den letzten Sonnenstrahlen auf einem Hügel meinen Schlafplatz eingerichtet und hatte im Zelt eine stürmische Nacht.Die Menschen hier begraben ihre Toten am Rande der Strasse und so ist es nicht unwahrscheinlich,das wenn du am Strassenrand übernachten möchtest,du dein Zelt möglicherweise über einem Grab aufbaust,denn es gibt hier keine Grabsteine oder irgendwelche Markierungen.Wenn der Grabhügel vom Wind und vom Regen eingeebnet ist,dann sieht man nichts mehr davon.Nur die Angehörigen kommen ab und zu mal vorbei,um ein paar Wodkaflaschen zu Ehren der Toten zu leeren und die leeren Flaschen dann auf dem Boden zu zertrümmern.Das sind,vor allem für Radfahrer nicht die idealen Bedingungen,die Nacht in der Steppe zu verbringen.So habe ich denn versucht,allen Scherbenhaufen möglichst aus dem Weg zu gehen,aber wahrscheinlich habe ich mein Zelt an einer ungünstigen Stelle aufgebaut,denn in der Nacht haben dann die Geister recht kräftig an meinem Zelt gerüttelt und gezerrt,das es nicht wirklich gemütlich wurde.Doch mein Zelt ist immerhin stehen geblieben und gegen Morgen hatte der Wind dann auch etwas nachgelassen,das ich schlafen konnte.Der Wind kam dieses Mal von Süden,also aus der richtigen Richtung,aber die Schlaglöcher auf der Strasse haben diesen Vorteil wieder genommen.Heute Morgen bin ich dann in Fort Shevchenko eingefahren und traf dann auch gleich auf einen Polizisten,der mich mit " N J E T "empfing,denn heute ist hier Feiertag.Der Tag des Sieges über den Faschismus,sprich Ende des zweiten Weltkrieges,der hier durch die Zeitverschiebung einen Tag später stattfand.Ich durfte nicht durch die Stadt fahren, wegen Umzuges, sondern mußte wie alle Lastwagen(da waren aber keine)einen großen Umweg machen.





Wodkasaufende Geister ist doch cool ,hast Du auch einen bekommen ?
AntwortenLöschenDie Flagge an Deinem Radl ist blau ok.aber es fehlen weiße rauten.
Was ist eigentlich (leztes Foto)vor, bzw. hinter Deinem Zelt?
Der Ziegenbock des Teufels oder so ???
GubdT
Der Ziegenbock interessiert mich auch.
AntwortenLöschen