Montag, 14. Mai 2012

Bittegerne!!!

Der Titel ist ja ein festgeschriebenes Standartwort im deutschen Hotel- und Gaststättengewerbe.Hier in Kasachstan bekommt es für mich eine neue Bedeutung.
Nach etwa 60-70 km Waschbrettpiste in strahlendheißer Sonne,ohne Baum und Strauch und Schatten,mit etwa 3-4 Windstärken Gegenwind,bin ich am Abend schon einigermaßen geschafft.Am zweiten Tag meiner Steppendurch- querung von Fort Shevchenko nach Shetpe war ich so fertig,das ich, nachdem ich mein Zelt neben einem Steinhügel aufgebaut hatte und alle losen Dinge verwahrt hatte,noch bei Tageslicht sofort eingeschlafen bin.Plötzlich wache ich auf,es ist stockdunkel und ich höre einen Motor laufen und Scheinwerferlicht dringt durch die dünne Zeltwand.Polizei?Verschlafen mache ich den Reissverschluss meines Zeltes auf so, das nur der Kopf herausschaut und sehe drei Männer vor meinem Zelt stehen.Sie deuten mir an,ich solle das Zelt abbauen und mit ihnen mitkommen.Widerstand schien zwecklos wg. drei gegen einen.Das waren der Kleidung nach keine Polizisten und als ängstlicher Mensch hätte man eher das Gegenteil vermuten können.Bei Scheinwerfer und Taschenlampenbeleuchtung habe ich dann meinen Krempel wieder auf das Rad gepackt und bin auf Anweisung etwa 10 km hinter dem Landcruiser hergefahren,bis wir zu einem Bauernhof kamen.Dort wurde mein Fahrrad in einen Stall gesperrt und ich in das Haus gebeten.Die Dame des Hauses stand schon am Herd und bereitete ein "Festessen" vor und als man mich in die Gute Stube führte,und mich bat,am Fußboden vor dem flachen Tisch Platz zu nehmen,wurde mir klar,ich war das Opfer von Gastfreundschaft geworden.Von dem Moment an habe ich die Situation einfach nur genießen können und die Zweifel waren verschwunden.Ich habe beobachten können,wie natürlich und unkompliziert(sieht man mal vom Zeltabbau ab),aber auch garniert mit traditionellen Ritualen das Kümmern um den Mitmenschen sein kann.
Ich war bei Shumahiekor Sergase Bachtebayevich und seiner Frau Rsaliva Shamiz Tayougallina gelandet, um verwöhnt zu werden.Die betreiben hier in Taushik einen Hof mit Kamelen,Rindern,Pferden und Schafen.
Als erstes setzte man mir eine Schale Sherbet vor weil ein Gast ja Durst haben muß und den stillt man hier am angenehmsten mit einer großen Schale Kamelmilch.Diese Milch soll auch sehr gut für die Augen sein und so sah ich dann so nach und nach,wie sich die ganze männliche Verwandtschaft um den Tisch versammelte und schließlich saßen wir so mit 10 Männern um den Tisch herum.Einer der Neffen,der noch zur Schule ging konnte gut Englisch, und hat unser Gespräch übersetzt.Der Sohn des Bauern kam mit einer Waschschüssel und einer Wasserkanne. Ich durfte mir die Hände waschen, dann durfte sich noch der Hausherr die Hände waschen und dann kam das Essen auf den Tisch.Die Hausfrau brachte eine große Schale mit dem Hauptgericht aus der Küche.Es gab gekochtes Pferdefleisch mit Nudeln und Gemüse und eingelegten Auberginen.Dazu konnte man Cola oder Bier trinken.Man bediente sich aus der großen Schüssel mit der Hand. Ich erzählte ihnen,das ich eigentlich schon gegessen hätte(ich hatte mir vor dem Schlafen noch eine Schnellkochnudelsuppe gemacht),kam aber aus der Sache mit so läppischem Argument nicht heraus,denn Sergase meinte,das ich ihm meine anderen Töpfe,die ich noch als Vorrat hatte, zum Verbrennen geben sollte denn zu mehr sei das Zeug nicht gut.(Ja,ja,ich weiß).Zwischendrin kam dann der Wodka dran,mit der Gastrede des Hausherren und der Beteuerung großer Freundschaft und meine Entgegnung mit der Beteuerung größter Dankbarkeit und nach dreimaligem Leeren der Gläser, durfte ich sagen,das ich keinen Wodka mehr trinken möchte und das wurde auch angenommen.Das Essen war dann auch bald fertig und die anderen Gäste brachen auf.Bevor der Englisch sprechende Neffe ging wurde noch geklärt,das demnächst ein Gegenbesuch ansteht und das ich immer wieder gerne als Gast willkommen sei.Ich hab noch gesagt,das ich mich auch freuen würde, wenn es so käme und hab mich dann auf die Matratze gelegt.Ein vor dem Fenster schlafendes, schnarchendes Kamel sang mich in den Schlaf.

1 Kommentar:

  1. Neidvoll nehme ich das alles zur Kenntnis, auch das Kamelfleich mit Nudeln, eine Delikatesse alles mit Wodka entkeimung. Prost. Wie sagen die Kamele??

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